Wir sind wieder zurück 02.11.18

Wir haben beschlossen „Finnland2018“ auf einen „Erlebnisblog“ zu erweitern.

Kurzfristig (wie immer) beschlossen wir über ein verlängertes Wochenende nach Österreich zu fahren, um eine letzte Alpinerfahrung für diese Sommersaison mitzunehmen.

Wir fuhren (zur Abwechslung mal wirklich) mit dem Pick-up und der Wohnkabine (mit welcher es eigentlich nach Finnland gehen sollte, aber der TÜV uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte) und kurzen selfmade Autoreperaturen, nach Österreich (Tirol) um die etwas illegalen Wildcamperverhältnisse auf die Probe zu stellen. Der eigentliche Plan: 3 Tage, 2 Wanderungen mit eingeplantem Klettersteig.

Nach knapp einem Tag Vorbereitung und inzwischen wieder normal gewordenen Lichtverhältnissen, sind wir im Dunklen an einem einsamen Parkplatz angekommen und duften zu unserer Vergnügung feststellen, dass wir weder Strom noch eine funktionelle Heizung zu Verfügung hatten. Mit Decken und Hopfenreicher Unterstützung haben wir uns durch die Nacht gekämpft.

So machten sich die zwei schlotternden schlafbedürftigen „Schneemänner“ auf den Weg zur Lamsenspitze und durften durch mangelhafte Recherche feststellen, dass der Weg aufgrund der Jahreszeit bereits geschlossen war. Wir begaben uns auf die Suche nach einem Wohnmobilreperarutfachgeschäft. Nach einigen Telefonaten und einem ausgemachten Termin, stellten wir mit Erstaunen fest, dass die Heizung plötzlich einwandfrei funktionierte. Aus diesem Grund, hatten wir dann doch das Bedürfnis, noch eine Wanderung zu starten.

So fuhren wir nach Mittenwald und weiter. Dort fanden wir direkt an einem kleinen Bach, einen bombastisch einzigartigen Platz in Österreich. Wir werden morgen endlich unsere Tour angehen.

Bilder folgen.

Grüße gehen an alle treuen fabelhaft, fiebrigen Finnlandfollower.

Im Leben kommt es manchmal anders als erwartet… 09.08.18

Aufgrund einer erschütternden Nachricht, mussten leider alle zukünftigen Pläne gecancelt werden! Nichtsdestotrotz wollten wir unserer Finnlandreise noch ein Höhepunkt setzen! Also beschlossen wir unser übrig gebliebenes Geld, so richtig auf den Kopf zu hauen. Wir tauschten spontan Zelt und Isomatte gegen Luxushotel und Designerbett. Auf nach Helsinki!

Wir konnten zum Glück noch kurz nach 23:00 Uhr Einchecken, durften dann auch noch Ali’s Gefährt für 27€ die Nacht abstellen #mangönnstsichjasonstnichts. Der erste Versuch am selben Abend noch ein kühles Bier zu trinken ging nach hinten los, da es weder genügend offene Bars gab noch Alkohol, der wird nämlich ab 03:00 Uhr nicht mehr ausgeschenkt #einechterbayertrinktkeinlightbier. Der zweite Tag begann mit einem kurzen Workout im hauseignen Fitness (Ja sogar Lucca machte mal mit). Mit den kostenlos ausgeliehenen E-Bikes, konnte Helsinki und die Bars in Ruhe erkundet werden. Da der Preis für Alkohol in Finnland unfassbar teuer ist, wäre es spätestens nach diesem Tag nicht mehr möglich die Reise fortzusetzen. Um noch einen drauf zu setzten begaben wir uns abends in das Hotelrestaurant und genossen ein super leckeres Abendessen (auch das Trinken kam natürlich nicht zu kurz). Kleiner Tipp: wir befanden uns im 3stelligen Bereich. Kurzfristig wie wir sind, haben wir nach dem Essen noch schnell die Fähre gebucht und leider einen Namen durch die Autokorrektur vermasselt (1. Name: Lukas Engelmayer, 2. Name: Lukas Neu)…Am nächsten Morgen genoss Lukas’s das vielfältige Angebot der Entspannungsmöglichkeiten und der lichtscheue Langschläfer Lucca, ruhte noch ein wenig. Das billige Angebot der Fähre, lies nur eine Abendfähre zu und so hatten wir noch viel Zeit die schöne Stadt zu besichtigen.

Auch wenn jetzt alles vorbei ist, sitzen wir auf dem Schiff und verlieren uns in den Gedanken an diesen wunderbaren Roadtrip/Campingurlaub/Rentiere/Wanderungen/Sonnenuntergänge/24/7 Helligkeit/Kälte/Wind/Wärme und einfach eine unglaubliche Zeit! Finnland ist ein absolut wunderschönes Land welches gerade mit seiner Vielfalt an unterschiedlichen Aktivitäten punkten kann. Auf der einen Seite, die unverwechselbare Natur, die gerade von Lappland bis Mittelfinnland, sehr unbesiedelt ist und man dadurch als Wildcamper nur wenig Probleme hat. Das Land bietet mit seinen „Tausend Seen“ reichlich Möglichkeit zum Angeln sowie Kanu- und Bootstouren (leider haben wir dies zeitlich nicht mehr geschafft). Finnlands Nationalparks überzeugen meist mit guten Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeiten und bieten unzählige Varianten, die Natur auf eine neue Art und Weise kennen zu lernen.

Gerade die schweren Rucksäcke, die harten Nächte auf der Ismomatte, die Raumorganisation in Ali’s Gefährt und die ständige Suche nach einem neuen Platz ließen uns an unsere Grenzen stoßen. Doch das ist alles hinnehmbar wenn man daran denkt, Finnland in 6 Wochen komplett bereist zu haben und wir dabei unvergessliche Augenblicke dazu gewannen.

Auf der anderen Seite Finnlands Metropole Helsinki, die den kompletten Kontrast bietet und förmlich dazu Einlädt sein Geld für alle Aktivitäten zum Fenster rauswerfen zu wollen. Super Restaurant, tolle Bars und eine Menge Einkaufsmöglichkeiten, wo mit Sicherheit für jeden etwas dabei ist (außer Souvenirs) #sorryfamily.

Wir sind sehr dankbar über die Erfahrungen die wir machen durften und Finnlands Gastfreundlichkeit!

Schwer in Worte zu fassen … 05.08-06.08.18

Der Tag gestern hatte sehr gut begonnen. Wir machten uns nach dem Frühstück ( Ja keine Mahlzeit auslassen ) #schönwäre’s auf dem Lihapyörre-Trail auf den Weg zu den Felsmalerein Hossa’s. Doch dieser Weg ähnelte eher einem gemütlichen Sonntagsspaziergang. Hauptsache wir rückten in voller Montur an… Angekommen konnte man sich die Malereien, welche vor 2.500Jahren an die Felsen gezeichnet wurden, aus geringer Entfernung in Ruhe betrachten und diese ohne Vorgabe für sich interpretieren! Macht euch doch selbst mal ein Bild davon … Am Parkplatz sprach uns eine finnische Wandersfrau an, fragte woher wir kämen und was wir noch vor hätten. Den englischen Part übernahm mal wieder der engagierte englischbegabte Lucca. Zum Ende des Gesprächs gab sie uns den Rat, wir sollen uns doch bitte, bevor wir wieder in die Heimat zurückkehren, ordentlich waschen und rasieren. #wirsindwohlwirklichsoätzendWir packten anschließend unsere 7.000 Sachen und begaben uns auf den Weg zum nächsten Abenteuer „Koli“. Wir ahnten, dass die Suche nach einem neuen Domizil schwer werden würde, doch die heutige Nacht setzte wieder einen drauf. Komplett ohne Schlaf und „leicht“ gereizt entschlossen wir uns nach über 20 abgeklapperten Plätzen und 15h Suche, unseren Kodex zu brechen und notgedrungen einen dieser „Campingplätze“ auszuprobieren. So konnten wir nach 6 Wochen endlich mal wieder warm duschen! #waseinluxus. Zumindest konnten wir dadurch auf der Fahrt unseren selbstgekochten Mitternachtsstopkaffe an einem Baummarkt trinken und das Frühstück auf einem abgesperrten Steg genießen.

Fressen, oder gefressen werden… 03.08.18

Kurzzeitig sind wir dann doch mal aus dem Fresskoma erwacht und haben uns aufgerappelt, den heutigen Tag kurz wiederzugeben ( hoffentlich nicht das Essen von heute auch noch). Wir haben uns definitiv für das „Fressen“ in der Überschrift entschieden. Selbst nach 6 Wochen Finnland bzw. 21 Jahren Lebenserfahrung, schaffen wir es nicht angemessene Portionen für 4 Personen zu kochen, sondern fühlen uns verantwortlich für eine türkische Großfamilie auszusorgen #noracism#allemenschensindgleich! Was ein Glück, dass man die Reste wieder zurück in den Kühlschrank stellen und morgen nochmal essen kann! Nicht!

Wieder stand ein Einkauf an, doch diesmal fuhren wir in die andere Richtung… was sich ( mal wieder) als ein Fehler rausstellte! Soumusslami hat weder ein annehmbares Restaurant noch einen Pfandflaschenautomaten der funktioniert. Hierzu die kurze Erklärung: Wir stellten uns in eine lange Schlange voller etwas nach Urin, Schweiß und Alkohol stinkender Menschen, dessen Körperhygienestandart noch weiter unten war als unserer ( dass muss man erst mal toppen können). Einer der beiden Automaten war jedenfalls schon im Vorhinein defekt und es dauerte keine Minute, bis auch der andere seinen Geist auf gab. Bis erst mal das Kassenpersonal ein Auge drauf geworfen hatte, vergingen die ersten 20 Minuten. ( Die Frage, was noch mit dem angebrochenen Tag angefangen werden sollte, hatte sich hiermit erübrigt). Bis der Automat wieder voll funktionstüchtig war, mussten wir noch weitere 15 min warten! Ja wir standen noch in der Schlange, da wir leider auf unserem Pfand angewiesen sind! #zuvielgegönnt

Auf dem Rückweg hielten wir bei den sogenannten „silent people“. Es handelt sich dabei um „Vogelscheuchen“ ca 1.200 Stück, die mit gespendeten Klamotten bekleidet wurden. Die Köpfe bestehen aus Heu, welches direkt von der Wiese auf der sie platziert sind, geerntet wurde. Der Künstler selbst, hat keine genaue Interpretation für diese Art von Kunst, und überlässt somit jedem seine eigene. Einmal im Jahr werden diese Figuren entkleidet und so stehen dann mehr als 1000 Kreuze auf dem Feld! Es herrscht eine sehr mystische Stimmung dort!

Der Regen ist nun (endlich) eingetroffen und unser tolles Tarb schützt uns ( hoffentlich weiterhin ) vor Wind und Regen! Die Temperaturen sanken rasch auf 16 Grad! Aber es geht ja immer noch tiefer…

Immer der Nase nach 02.08.18

Da für die nächsten Tage Regen angesagt war, kombinierten wir unsere Intelligenz und spannten fachgerecht unser tolles Tarp. Diesmal kamen wir sogar auf die Idee, frühzeitig Holz zusammen, damit dieses nicht nass wird #sogarwirkönnenausfehlernlernen.

Heute mal mit Leichtgepäck für die Packesel, ging es zum Ausgangspunkt unserer Tagestour. Am Parkplatz angekommen wurde klar, dass diese Route wohl sehr beliebt zu sein scheint! Wir ergatterten einen der letzten Parkplätze. Schon während der Fahrt hatte Lukas festgestellt, dass er seine, für die stabile Trittsicherheit verantwortlichen Einlagen, „daheim“ liegen lassen hat und somit das Innenleben seines Schuhes eben so flach ist wie seine Fußstellung #plattfuß. So watschelten wir entlang eines Schlauchsees, dessen Seitenwände an manchen Stellen bis zu 50m hoch sind. Das Wasser in und um Hossa rum, gilt als eines der reinsten in Finnland (nur unser See ist mal wieder ganz schön dreckig). Um auch unseren Zuschauern etwas bieten zu können, versuchten die Natur Nachwuchsmodells vor jedem möglichen Blickfang, in der optimalen Pose zu glänzen (leider gibt es genügend Winkel die zu unvorteilhaften Fotos führen). Doch durch den enormen Einsatz des Fotografen, der sich jeder Bodengegebenheit anpasst, wird dann doch auch jedes 100te Bild mal was. Die Sichtung der geschossenen Fotos, sorgt am Ende des Tages immer für großes Gelächter und ein radikales Minimieren der Fotoauswahl.

Durch den Donner fühlten wir uns doch ein wenig gehetzt, unsere peinliche Pfannkuchensauerei zu beseitigen, bevor der angesagte Regen auf uns nieder prasselt. Wobei der Regen auch eine super Vorwäsche für das fettige und angebrannte Geschirr wäre.

Wir hoffen darauf, dass unsere Zelte besser gestellt sind und Lucca diesmal nicht in Seenot gerät.

„Künstler sind Leute, die etwas tun, für das sich andere Menschen schämen würden“ -by Georg Baseliz 01.08.18

Mittlerweile ist das morgendliche Bad im kühlen See, kaum noch weg zu denken und für uns wie ein Kaffe am Morgen! Ein absolutes Muss und dadurch wird man erst richtig wach!(und das ganze sogar ohne großes Geschrei).

„F(r)isch“ „geduscht“ ging es dann also auf die lange Reise nach Kuusamo (täglich grüßt das Murmeltier) um für Lucca einen neuen Stuhl zu besorgen! Doch aufgrund der Erfahrung, die Lukas mittlerweile ja schon hat, wussten die wahrhaftig Warmwasser waschbedürftigen Wildcamper den direkten Weg zum Sportartikelausstatter des Vertrauens.

Auf der Jagd nach Mitbringseln für die Angehörigen, stießen wir auf einen gemütlichen Shop. Dort gab es von handgetöpferten Utensilien, bis hin zu ausgestopften Tieren ( den Bären hätten wir uns fast aufs Dach binden lassen ) ois. Wir bekamen dort einen finnischen Kaffe ( leicht säuerlich) und die Möglichkeit, unser Tiervertreibungs-Waldbeschallungsgerät aufzuladen!

Auf dem Rückweg brausten wir an einem kleinen unscheinbaren Schild „Galeria“ vorbei. Lucca setzte alle Hebel in Bewegung und wendete unmittelbar auf der Landstraße. Man muss dazu sagen, dass die Straße sehr schmal angelegt wurde und er sich die bescheidenste Stelle (vor einem Hügel) ausgesucht hatte. Mit „leicht“ erhöhten Puls aber wohlauf rollten wir in die Einfahrt, die zu einem riesigen Ausstellungsplatz umfunktioniert wurde! Wir hatten erst bedenken, da niemand zu sehen war. Die Deutschen fassten allen Mut zusammen und gingen auf die Holztüre zu! Ein Mann ( wie man sich einen typischen finnischen Typ vorstellt ) öffnete uns überrascht die Pforte und textete uns direkt auf der Landessprache zu ( leider blieb er schweigsam als er erfuhr, dass wir nur Englisch sprechen).

Seine Galerie ist in zwei etwas in die Jahre gekommene Zimmer aufgeteilt und stellt seine kreativ kuriosen Kunstwerke aus! Der Mann macht es sich zur Aufgabe, aus Dingen die eigentlich in den Müll gehören, wahre Schätze zu zaubern. Es scheint, dass es seine große Leidenschaft ist, Kühe in vermenschlichten Situationen darzustellen. Diese bestehen aus Alltagsgegenständen, die er färbt und verformt bis sie die richtige Gestallt annehmen. Nach diesem Prinzip werden alle seine Gestalten erschaffen. An den Wänden befinden sich zahllose Gemälde, die entweder ihn oder andere Personen ( manchmal auch etwas freizügig ) und Tiere in der finnischen Umgebung aufzeigen. Dies hat einen ganz eigenen Flair und ist eine individuelle Art von Kunst, die sogar uns Kunstbehinderten zum Nachdenken angeregt hat. Für alle die sich in die Nähe von Kussamo verirren, ist es lohnenswert einen kurzen (oder auch längeren) Stop in seiner Galerie zu machen (aber nur bares ist wahres). #lukashateinenfacebookfreundmehr. Und für alle die es zeitlich nicht schaffen seine Ausstellungsstücke zu bewundern, haben hier die Möglichkeit auf seiner Facebookseite vorbeizuschauen –> 100 taulun Galeria. ( wir haben da vorallem an Urs und Regine gedacht).

Das Wetter in Finnland ist seit Wochen sehr warm. Dadurch ist die Gefahr eines Waldbrandes ungemein hoch! Aus diesem Grund wollen wir nicht zu weit weg von Alis-Gefährt sein und haben unsere Touren dementsprechend angepasst. Wir bauten schon im Voraus unser Obdachlosenstüberl auf und werden von da aus unsere Tagestouren starten.